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Karriere und Beruf

Erfüllende Arbeit finden - ein Job, der zu Ihnen passt

Nur 21% der Beschäftigten sind engagiert. Wie Ikigai und das RIASEC-Modell helfen, erfüllende Arbeit zu finden, in fünf konkreten Schritten.

Sie sitzen am Schreibtisch, sehen auf die Uhr und zählen die Minuten bis zum Feierabend. Kommt Ihnen das bekannt vor? Laut dem Gallup-Bericht State of the Global Workplace (2025) sind weltweit nur 21% der Beschäftigten wirklich engagiert bei der Arbeit. Die übrigen 79% halten sich entweder gerade so über Wasser oder haben innerlich gekündigt. Eine erschütternde Zahl. Und in den meisten Fällen liegt es weder an schlechter Bezahlung noch an einer unmöglichen Führungskraft. Es liegt an etwas Tieferem: an der Kluft zwischen dem, wer Sie sind, und dem, was Sie tun.

Warum so viele Menschen ihren Job hassen

Die meisten von uns wählen einen Beruf danach, was gerade verfügbar ist, was die Eltern empfehlen oder was ein ordentliches Gehalt verspricht. Dabei zählt die Persönlichkeit weit mehr, als wir gemeinhin annehmen. Der Psychologe John Holland formulierte bereits 1959 eine Theorie, die heute als eines der am besten belegten Modelle der Berufsberatung gilt: Menschen sind dort am glücklichsten, wo die Umgebung zu ihrem Persönlichkeitstyp passt.

Stellen Sie sich jemanden vor, der von Natur aus kreativ ist, Freiheit liebt und Routine nicht aushält. Setzen Sie diesen Menschen nun in eine Steuerkanzlei, wo er acht Stunden am Tag Rechnungen prüft. Er wird dort ordentlich verdienen. Und langsam vor Langeweile eingehen. Nicht weil Buchhaltung ein schlechter Beruf wäre, sondern weil sie nicht zu seiner Persönlichkeit passt.

Genau hier greifen die meisten Karriereratschläge zu kurz. Man sagt Ihnen, Sie sollen "Ihrer Leidenschaft folgen" (was vage bleibt) oder "das tun, worin Sie gut sind" (was ausblendet, ob es Ihnen überhaupt Freude macht). Wie wäre es mit einem anderen Blickwinkel?

Ikigai: vier Fragen, die sich lohnen

Das japanische Konzept Ikigai (生き甲斐) bedeutet wörtlich "Grund des Seins". In Japan wird es seit der Heian-Zeit verwendet, also etwa seit dem 10. Jahrhundert, und bezeichnet alles, was dem Leben Wert gibt, von den Enkelkindern über den Morgenkaffee bis zur Gartenarbeit. Im Westen hat sich Ikigai allerdings in leicht veränderter Form verbreitet: als Schnittmenge von vier Bereichen.

Was Sie lieben. Worin Sie gut sind. Was die Welt braucht. Wofür Sie bezahlt werden können.

Wo diese vier Dinge sich überschneiden, entsteht Arbeit, die erfüllt. Fehlt eines davon, stimmt etwas nicht. Sie tun etwas, das Sie lieben und gut können, aber niemand zahlt dafür? Das ist ein schönes Hobby, keine Laufbahn. Sie werden gut bezahlt für etwas, das die Welt braucht, das Ihnen aber keine Freude macht? Dann fühlen Sie sich leer.

Die japanische Psychiaterin Mieko Kamiya, die Ikigai in ihrem Buch On the Meaning of Life (1966) wissenschaftlich untersuchte, wies auf etwas Wichtiges hin: Ikigai muss nicht zwingend mit Arbeit zu tun haben. Es kann eine Beziehung sein, eine kreative Tätigkeit oder ein Engagement in der Gemeinschaft. Für berufliche Fragen taugt das Vier-Kreise-Modell dennoch gut als Kompass. Kein Navigationsgerät mit exakter Adresse, aber eine grobe Richtung.

Wie die Persönlichkeit die berufliche Zufriedenheit prägt

Hollands Theorie teilt Menschen in sechs Persönlichkeitstypen ein, gekennzeichnet mit den Buchstaben R-I-A-S-E-C. Jeder von uns ist eine eigene Mischung dieser Typen, und die drei stärksten bilden den sogenannten Holland-Code.

TypBeschreibungTypische Umgebung
R - RealistischPraktische Arbeit, Technik, greifbare ErgebnisseWerkstatt, Baustelle, Labor
I - InvestigativAnalyse, Forschung, ProblemlösungUniversität, Forschungszentrum, IT
A - KünstlerischKreativität, Eigenständigkeit, AusdruckAtelier, Redaktion, Designagentur
S - SozialHelfen, lehren, zusammenarbeitenSchule, Krankenhaus, gemeinnützige Organisation
E - UnternehmerischFühren, überzeugen, organisierenWirtschaft, Vertrieb, Politik
C - KonventionellSysteme, Ordnung, GenauigkeitVerwaltung, Finanzen, Logistik

Eine in Frontiers in Psychology (2023) veröffentlichte Untersuchung bestätigte: Je höher die Übereinstimmung zwischen Persönlichkeitstyp und Arbeitsumfeld, desto größer die berufliche Zufriedenheit und desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung. Das gilt über Kulturen und Branchen hinweg.

Das heißt jedoch nicht, dass es für jeden Typ nur einen "richtigen" Beruf gäbe. Jemand mit dem Holland-Code SAE (sozial, künstlerisch, unternehmerisch) kann als Theaterpädagogin aufblühen, als Therapeut mit kunstbasierten Methoden oder als Leiterin eines Kreativteams in einer Werbeagentur. Jeder dieser Wege passt unterschiedlich gut zum Profil, aber alle funktionieren besser als etwa eine Stelle in der Qualitätskontrolle einer Fertigungslinie.

Was ein RIASEC-Test über Sie verrät

Würde man Sie jetzt fragen, welcher Typ Sie sind, hätten Sie vermutlich eine Ahnung. Aber Ahnungen können in die Irre führen. Menschen identifizieren sich oft mit dem Typ, den sie bewundern, nicht mit dem, der sie tatsächlich sind. Ein junger Mann, der in einer Unternehmerfamilie aufwächst, hält sich für Typ E, selbst wenn seine natürlichen Neigungen zum investigativen Typ I zeigen.

Deshalb lohnt es sich, das eigene Profil zu überprüfen. Der RIASEC-Persönlichkeitstest zeigt Ihnen in wenigen Minuten Ihre drei stärksten Typen und schlägt konkrete Berufe vor, die zu Ihnen passen. Und wenn Sie tiefer gehen möchten, legt der Test der beruflichen Werte offen, was Ihnen im Job wirklich wichtig ist: Freiheit, Sicherheit, Geld, Anerkennung oder Sinn.

Fünf Schritte zu Arbeit, die Ihnen Freude macht

1. Benennen Sie genau, was Ihnen keine Freude macht

Ist es wirklich "die Arbeit an sich"? Vielleicht sind es bestimmte Aufgaben, das Arbeitsumfeld, Ihre Führungskraft oder das Tempo. Der Unterschied ist gewaltig. Wem der Kern der Tätigkeit nicht liegt, der braucht einen Berufswechsel. Wem die Unternehmenskultur nicht liegt, der braucht einen neuen Arbeitgeber. Trennen Sie das sauber.

2. Kartieren Sie Persönlichkeit und Werte

Zu wissen, was Sie nicht wollen, reicht nicht. Sie müssen wissen, was Sie wollen und warum. Persönlichkeitstests sind ein guter Ausgangspunkt. Ergänzen Sie sie um Nachdenken: Wann waren Sie zuletzt so in Arbeit versunken, dass Sie die Zeit vergessen haben? Was haben Sie getan? Mit wem? In welcher Umgebung?

3. Erkunden Sie Alternativen ohne Druck

Sie müssen nicht morgen kündigen. Beginnen Sie mit Gesprächen mit Menschen aus Bereichen, die Sie interessieren. Fragen Sie nach einem typischen Arbeitstag, nicht nach den Höhepunkten. Lesen Sie Fachblogs. Probieren Sie einen Wochenendworkshop oder einen Onlinekurs.

4. Testen Sie in kleinen Schritten

Ein Ehrenamt, ein Projekt auf freiberuflicher Basis, ein interner Wechsel im Unternehmen. Jedes kleine Experiment sagt mehr aus als stundenlanges Grübeln. Eine Bekannte von mir, Projektmanagerin in einem Technologieunternehmen, begann am Wochenende Yogakurse zu geben. Nach einem Jahr merkte sie, dass sie das mehr erfüllte als das Büro je zuvor. Heute unterrichtet sie hauptberuflich Yoga. Aber dieses Jahr des Ausprobierens war nötig, um zu wissen, dass es keine Flucht war, sondern ein echter Weg.

5. Bauen Sie einen Übergangsplan

Haben Sie ein finanzielles Polster für drei bis sechs Monate? Brauchen Sie eine Umschulung, oder reicht Erfahrung? Haben Sie Kontakte im neuen Feld? Je konkreter Ihr Plan, desto weniger beängstigend wirkt der Sprung ins Unbekannte.

Berufswechsel ohne Drama

Der Gedanke an einen Berufswechsel erschreckt die meisten Menschen. Sie stellen sich einen radikalen Sprung vor, vom Buchhalter zum Surflehrer auf Bali. Zum Glück ist die Wirklichkeit weniger filmreif und deutlich praktischer.

Es gibt das Konzept des "Brückenjobs", einer Übergangsrolle. Statt eines großen Sprungs machen Sie eine Reihe kleinerer Schritte. Ein Programmierer, der zum UX-Design wechseln will, schlägt im eigenen Unternehmen zunächst ein paar Verbesserungen an der Benutzeroberfläche vor. Eine Personalreferentin, die Coach werden möchte, lässt sich zertifizieren und beginnt intern mit Kolleginnen zu arbeiten. Jeder Schritt senkt das Risiko und stärkt die Gewissheit, in die richtige Richtung zu gehen.

Wann sollten Sie den Sprung tatsächlich wagen? Wenn drei Dinge zusammenkommen: Klarheit über Ihr Ziel (dank Selbsterkenntnis), Bestätigung aus echter Erfahrung (dank kleiner Experimente) und ein Grundnetz an Kontakten im neuen Feld. Bis dahin sammeln Sie Erfahrung, bauen Fähigkeiten auf und laufen vor allem nicht einfach vor etwas davon. Gehen Sie auf etwas Konkretes zu.

Empfohlener Test

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