Ohne Registrierung

Finden Sie in 5 Minuten heraus, welcher Persönlichkeitstyp Sie sind und welcher Beruf zu Ihnen passt

Finden Sie in 5 Minuten heraus, welcher Persönlichkeitstyp Sie sind.

In wenigen Minuten erledigt · 16 Tests an einem Ort

In wenigen Minuten erledigt · 16 Tests an einem Ort

Startseite / Ratgeber / Arbeit und Produktivität / Gewohnheiten aufbauen - die Psychologie der Verhaltensänderung
Arbeit und Produktivität

Gewohnheiten aufbauen - die Psychologie der Verhaltensänderung

Nicht 21, sondern 66 Tage: Wie Gewohnheiten wirklich entstehen, welche vier Gesetze helfen und warum Ihre Persönlichkeit den Unterschied macht.

Phillippa Lally führte 2009 am University College London eine Studie durch, die einen der hartnäckigsten Mythen über Gewohnheiten widerlegt hat. Sie fand heraus, dass es im Durchschnitt 66 Tage dauert, bis ein neues Verhalten automatisch abläuft. Nicht 21, wie es in jedem zweiten Ratgeber steht. Und die Spannweite zwischen den Teilnehmenden war gewaltig: von 18 bis 254 Tagen. Manche lernten in zwei Wochen, morgens ein Glas Wasser zu trinken. Bei anderen brauchte das Laufen acht Monate, bis es von selbst lief.

Woher dieser riesige Unterschied? Teils liegt es an der Komplexität des Verhaltens. Aber auch die Persönlichkeit spielt eine große Rolle. Und genau diese Variable kommt in Gesprächen über Gewohnheiten fast nie vor.

Der Gewohnheitskreislauf: Anatomie einer Gewohnheit

Charles Duhigg machte in seinem Buch Die Macht der Gewohnheit (2012) ein Konzept populär, das Forschende am MIT bereits in den 1990er-Jahren beschrieben hatten. Jede Gewohnheit hat drei Phasen:

  • Auslöser - eine Situation, eine Uhrzeit, ein Ort oder ein Gefühl, das automatisches Verhalten anstößt. Der Wecker um 6:30 Uhr, der Anblick Ihrer Kaffeetasse oder eine Welle von Langeweile.
  • Routine - das Verhalten selbst. Fünf Liegestütze, fünfzig Kniebeugen oder das Anzünden einer Zigarette.
  • Belohnung - das angenehme Gefühl, das Ihr Gehirn nach der Routine bekommt. Ein Dopaminsignal, das sagt: Merk dir das, das hat gutgetan.

Die Basalganglien in Ihrem Gehirn automatisieren diesen Kreislauf allmählich. Nach genügend Wiederholungen hört Ihr Gehirn auf zu entscheiden und schaltet auf Autopilot. Deshalb putzen Sie sich die Zähne, ohne darüber nachzudenken. Und deshalb greifen Rauchende zur Zigarette, sobald sie sich mit einem Kaffee hinsetzen, selbst wenn sie längst aufhören wollten.

Den Gewohnheitskreislauf zu verstehen heißt nicht nur zu wissen, wie eine Gewohnheit funktioniert. Es heißt zu wissen, an welcher Stelle Sie eine unterbrechen oder eine neue von Grund auf aufbauen können.

Vier Gesetze der Verhaltensänderung

James Clear hat Duhiggs Kreislauf in Atomic Habits (2018) weitergedacht. Statt drei Phasen definierte er vier und knüpfte an jede ein praktisches Gesetz, das beim Aufbau oder beim Abbau einer Gewohnheit hilft.

1. Machen Sie es sichtbar

Wenn Sie morgens laufen wollen, legen Sie Kleidung und Schuhe am Vorabend an die Tür. Wenn Sie mehr Obst essen wollen, stellen Sie eine Schale Äpfel auf die Küchenzeile statt in den Schrank. Ihr Gehirn reagiert stärker auf visuelle Reize, als Sie vermuten. Clear zitiert eine Studie aus dem Jahr 2002 (Wansink, Painter und North), in der Menschen 70% mehr Süßigkeiten aßen, wenn diese in einer durchsichtigen Schale auf dem Schreibtisch standen statt in einer blickdichten Dose in der Schublade. Sichtbarkeit ist der erste Schritt zur Automatisierung.

Umgekehrt funktioniert es genauso. Sie wollen weniger am Handy hängen? Legen Sie es in einen anderen Raum. Sie verstecken es nicht vor der Welt. Sie verstecken es vor Ihren Basalganglien.

2. Machen Sie es attraktiv

Ihr Gehirn lernt schneller, wenn die Belohnung größer ist. Clear empfiehlt eine Technik namens "temptation bundling": Koppeln Sie eine Tätigkeit, die Sie gern tun, an eine, die Sie tun sollten. Hören Sie Ihren Lieblingspodcast zum Beispiel ausschließlich beim Sport. Schauen Sie Ihre Lieblingsserie nur auf dem Heimtrainer. Ihr Gehirn verbindet Bewegung dann mit Vergnügen statt mit Quälerei.

3. Machen Sie es leicht

Hier baut Clear auf dem auf, was Psychologen "Reibung" nennen, den Widerstand, den Ihre Umgebung erzeugt. Je mehr Schritte nötig sind, um eine Tätigkeit zu beginnen, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sie wirklich tun. Sie wollen mit Sport anfangen? Fahren Sie nicht quer durch die Stadt ins Fitnessstudio. Beginnen Sie zu Hause mit einer einzigen Übung. Sie wollen Tagebuch schreiben? Kaufen Sie kein teures Notizbuch und nehmen Sie sich keine 500 Wörter vor. Fangen Sie mit einem Satz an.

Clear nennt das die "Zwei-Minuten-Regel". Jede neue Gewohnheit sollte in der Anfangsphase weniger als zwei Minuten dauern. Yoga? Matte ausrollen und daraufstellen. Mehr nicht. Das klingt absurd, funktioniert aber, weil Sie den schwersten Moment entfernen: den Anfang.

4. Machen Sie es befriedigend

Das menschliche Gehirn bevorzugt sofortige Belohnungen gegenüber fernen. Evolutionär ergibt das Sinn. Unsere Vorfahren wussten nicht, ob sie den nächsten Tag erleben, also war eine Belohnung jetzt immer besser als eine im nächsten Monat. Das Problem: Die meisten nützlichen Gewohnheiten zahlen sich erst verzögert aus. Sport, gesunde Ernährung, Lernen, der Ertrag kommt Wochen oder Monate später.

Die Lösung? Fügen Sie eine sofortige Belohnung hinzu. Machen Sie nach jedem Training ein Kreuz im Kalender. Eine sichtbare Kette ununterbrochener Markierungen wird selbst zur Belohnung. Jerry Seinfeld soll diese Methode fürs Witzeschreiben genutzt und sie "don't break the chain" genannt haben.

Habit Stacking: Gewohnheiten als Bausteine

Eine der wirksamsten Techniken aus Atomic Habits ist das Habit Stacking, das Stapeln von Gewohnheiten. Das Prinzip ist schlicht: Hängen Sie eine neue Gewohnheit an eine bestehende. Die Formel lautet: "Nachdem ich [bisherige Gewohnheit], mache ich [neue Gewohnheit]."

Ein paar konkrete Beispiele:

  • Nachdem ich morgens meinen Kaffee gekocht habe, schreibe ich drei Dinge auf, für die ich dankbar bin.
  • Sobald ich mich zum Mittagessen hinsetze, lese ich eine Seite in einem Buch.
  • Wenn ich mir abends die Zähne geputzt habe, folgen zwei Minuten Dehnen.
  • Nach dem Zuklappen des Laptops notiere ich, womit ich am nächsten Morgen anfange.

Warum funktioniert das? Die bestehende Gewohnheit dient als Auslöser. Sie brauchen weder Motivation noch eine Erinnerung im Handy noch die Hoffnung, dass es Ihnen einfällt. Ihr Gehirn hat für das Kaffeekochen oder das Zähneputzen längst einen automatisierten Ablauf. Sie legen einfach eine weitere Schicht darüber.

Sarah, Grafikdesignerin aus Leipzig, hatte das Problem, dass sie den Sport auf "irgendwann heute Nachmittag" verschob und ihn dann nie machte. Sie begann mit einem einfachen Stapel: Nachdem sie morgens den Schlafanzug ausgezogen hatte, zog sie Sportkleidung an und machte fünf Kniebeugen. Aus fünf Kniebeugen wurden binnen zwei Wochen zehn Minuten Yoga und binnen eines Monats ein 30-minütiges Morgentraining. Nicht weil sie über übermenschliche Willenskraft verfügte. Sondern weil der schwerste Schritt weggefallen war: die Entscheidung anzufangen.

Persönlichkeit und Gewohnheiten

Damit kommen wir zu etwas, das populäre Ratgeber selten ansprechen. Nicht jeder baut Gewohnheiten gleich leicht auf. Und die Unterschiede sind erheblich.

Im Big-Five-Modell ist der stärkste Vorhersagewert für erfolgreichen Gewohnheitsaufbau die Gewissenhaftigkeit. Wer hier hohe Werte hat, ist diszipliniert, organisiert und verlässlich. Gewohnheiten liegen diesen Menschen schlicht, weil ihr Gehirn ohnehin zu Routine und Struktur neigt. Untersuchungen von Robert McCrae und Paul Costa zeigten, dass Gewissenhaftigkeit mit besserem Gesundheitsverhalten, finanzieller Stabilität und Arbeitsleistung zusammenhängt. Wenig überraschend. In all diesen Bereichen machen wiederholte kleine Gewohnheiten den Unterschied.

Am anderen Ende des Spektrums steht hohe Impulsivität, die häufig mit niedriger Gewissenhaftigkeit und hohem Neurotizismus einhergeht. Impulsive Menschen sprechen auf ferne Belohnungen kaum an. Ihr Gehirn sagt "jetzt", und jeder Plan mit dem Wort "morgen" bekommt eine niedrigere Priorität. Der Rat "mach es einfach" verfehlt bei ihnen die Wirkung. Sie brauchen einen anderen Zugang.

Wenn Sie zu dieser Gruppe gehören, sind Clears vier Gesetze für Sie sogar noch wichtiger, aber Sie müssen sie konsequenter anwenden. Eine Gewohnheit sichtbar zu machen genügt nicht. Sie müssen konkurrierende Auslöser beseitigen. Sie leicht zu machen genügt nicht. Sie müssen sie nahezu trivial machen. Und eine sofortige Belohnung ist kein Extra. Sie ist Voraussetzung.

Neugierig, wie es um Ihre Ausdauer und Disziplin steht? Probieren Sie den Grit-Test. Er misst Ihre Fähigkeit, an langfristigen Zielen dranzubleiben, und zeigt Ihnen, wo noch Spielraum ist.

Warum Motivation nicht reicht (und was stattdessen trägt)

Motivation ist ein Gefühl. Und Gefühle schwanken. Am Montagmorgen sind Sie fest entschlossen, Ihr Leben zu ändern. Am Freitagabend wollen Sie nur noch aufs Sofa fallen. Sich auf Motivation als Antrieb einer Gewohnheit zu verlassen, ist so verlässlich wie sich jeden Tag auf Sonnenschein zu verlassen.

Wendy Wood, Psychologin an der University of Southern California, hat jahrzehntelang zu Gewohnheiten geforscht, und ihr Befund ist eindeutig: Menschen, die über starke Willenskraft zu verfügen scheinen, setzen sie gar nicht häufiger ein als alle anderen. Sie gestalten nur ihre Umgebung besser. Das gesunde Essen steht vorn im Kühlschrank, die Laufschuhe an der Tür, das Handy nachts in einem anderen Raum. Sie haben keine bessere Selbstdisziplin. Sie haben bessere Systeme.

Clear bringt es in einem Satz auf den Punkt: "Sie steigen nicht auf das Niveau Ihrer Ziele, Sie fallen auf das Niveau Ihrer Systeme." Das Ziel, fünf Kilo abzunehmen, klingt gut. Ohne ein System dafür, wann und wie Sie essen und sich bewegen, bleibt es ein Wunsch.

Der größte Fehler beim Aufbau von Gewohnheiten

Die meisten Menschen wollen zu vieles auf einmal ändern. Neues Jahr, neues Ich: Ich fange mit Sport an, höre auf zu rauchen, meditiere, lerne Spanisch und stehe um fünf Uhr auf. Zwei Wochen später bleibt nur ein schlechtes Gewissen.

Die Forschung zur Selbstregulation (Baumeister und Tierney, 2011) legt nahe, dass Willenskraft eine begrenzte Ressource ist, auch wenn über den genauen Mechanismus gestritten wird. Sicher ist: Wer mehrere Gewohnheiten parallel aufbauen will, senkt seine Erfolgsaussichten bei jeder einzelnen dramatisch.

Die bessere Strategie ist die Reihenfolge. Eine Gewohnheit, sechs bis acht Wochen, bis sie zu greifen beginnt. Erst dann die nächste. Nach einem Jahr haben Sie sechs stabile Gewohnheiten statt sechs verblassender Erinnerungen an gute Vorsätze.

Und wenn Sie eine Serie doch einmal reißen lassen? Clear hat dafür eine einfache Regel: nie zweimal hintereinander aussetzen. Einmal auszusetzen ist menschlich. Zweimal auszusetzen ist der Beginn einer neuen Gewohnheit, nämlich der, nicht mehr zu erscheinen.

Empfohlener Test

Probieren Sie Test der Beharrlichkeit (Grit) aus

Erfahren Sie mehr über sich - der Test ist kostenlos und die Ergebnisse erhalten Sie sofort.

Test starten

Weitere Artikel in der Kategorie Arbeit und Produktivität