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Arbeit und Produktivität

Flow-Zustand - so erreichen Sie Ihre beste Leistung

Was der Flow-Zustand ist, welche acht Merkmale ihn kennzeichnen und mit welchen Strategien Sie ihn im Arbeitsalltag zuverlässiger erreichen.

Eine Chirurgin mitten in einer Operation. Ein Programmierer, der vom Bildschirm aufblickt und merkt, dass es Mitternacht ist. Eine Kletterin an einer Wand, an der jeder Griff volle Aufmerksamkeit verlangt. Alle drei verbindet etwas: Sie haben das Zeitgefühl verloren, sich selbst vergessen und mit einer Intensität gearbeitet, die von außen übermenschlich wirkt. 1990 gab der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi diesem Zustand einen Namen: Flow.

Das Überraschende daran: Flow ist keine Domäne von Spitzensportlern oder Künstlerinnen. Csikszentmihalyi fand ihn bei Fabrikarbeitern, Gärtnerinnen und Buchhaltern. Voraussetzung ist weder Talent noch ein glanzvoller Beruf. Voraussetzung ist eine bestimmte Kombination von Bedingungen, die Sie sich zu großen Teilen selbst schaffen können.

Was Flow tatsächlich ist

Csikszentmihalyi hat über zwei Jahrzehnte hinweg tausende Menschen aus verschiedenen Berufen und Kulturen befragt. Er fragte nach Momenten, in denen sie sich am besten fühlten und ihre höchste Leistung erbrachten. Die Antworten waren bemerkenswert einheitlich. Die Menschen beschrieben einen Zustand, in dem sie so in ihrer Tätigkeit aufgingen, dass alles andere aufhörte zu existieren. Kein Zweifel, keine Ablenkung, kein innerer Kritiker. Nur Sie und die Aufgabe.

Die Neurowissenschaft weiß heute, dass dem Flow messbare Veränderungen im Gehirn entsprechen. Der präfrontale Kortex, zuständig für Selbstkritik und analytisches Denken, fährt seine Aktivität teilweise herunter. Arne Dietrich nannte dieses Phänomen 2004 "transiente Hypofrontalität". Das Gehirn verschwendet keine Energie mehr auf Selbstbewertung und lenkt sie auf die Aufgabe selbst. Deshalb fühlt sich Flow an, als wären Sie mit der Tätigkeit verschmolzen.

Acht Merkmale des Flow

Csikszentmihalyi beschrieb acht Kennzeichen, die im Flow regelmäßig auftreten. Sie brauchen nicht alle acht gleichzeitig, aber je mehr davon vorhanden sind, desto tiefer der Flow.

Klare Ziele

Sie wissen genau, was zu tun ist. Nicht in einem Monat, nicht im Allgemeinen. Jetzt, in diesem Moment. Die Chirurgin weiß, welche Naht als Nächstes kommt. Der Schachspieler sieht die Stellung und sucht den besten Zug. Unklarheit ist der Feind des Flow, weil sie das Gehirn zwingt, zwischen Planen und Tun hin und her zu springen.

Sofortige Rückmeldung

Nach jedem Schritt erkennen Sie, ob Sie auf dem richtigen Weg sind. Eine Musikerin hört den Ton, den sie gerade gespielt hat. Ein Programmierer lässt den Code laufen und sieht das Ergebnis. Fehlt die Rückmeldung oder kommt sie stark verzögert (denken Sie an Führungsarbeit, deren Wirkung sich erst ein Quartal später zeigt), wird Flow deutlich schwerer erreichbar.

Balance aus Anforderung und Können

Das ist der Kern des ganzen Konzepts, und wir kommen gleich ausführlich darauf zurück. Die Aufgabe muss anspruchsvoll genug sein, um Sie zu packen, aber nicht so anspruchsvoll, dass sie Sie lähmt.

Tiefe Konzentration

Die Aufmerksamkeit verengt sich auf eine Sache. Randgedanken verschwinden. Sie denken nicht daran, was es zum Abendessen gibt oder was eine Kollegin im Chat geschrieben hat. Dieser Zustand ist zerbrechlich und bricht leicht ab.

Verlust der Selbstbeobachtung

Sie hören auf, darüber nachzudenken, wie Sie wirken, was andere über Sie denken, ob Sie gut genug sind. Der innere Kritiker verstummt. Deshalb fühlt sich Flow so gut an: Für eine Weile legen Sie ein Gewicht ab, das Sie sonst ständig mit sich herumtragen.

Verzerrtes Zeitempfinden

Stunden vergehen wie Minuten. Oder umgekehrt: Ein Sekundenbruchteil dehnt sich, als liefe ein Film in Zeitlupe. Kletterer und Rennfahrerinnen beschreiben die zweite Variante. Zeit hört auf, linear zu sein.

Innere Motivation

Die Tätigkeit wird zu ihrer eigenen Belohnung. Sie tun sie nicht für Geld, für Lob oder wegen einer Frist. Sie tun sie, weil Sie wollen. Csikszentmihalyi sprach hier von "autotelischer Erfahrung", vom griechischen auto (selbst) und telos (Ziel).

Gefühl von Kontrolle

Sie haben das Gefühl, der Situation gewachsen zu sein. Nicht, dass es leicht wäre, aber dass Ihr Können ausreicht. Ein paradoxes Empfinden: Die Anforderung ist hoch, und trotzdem fühlen Sie sich nicht bedroht.

Der Flow-Kanal: zwischen Langeweile und Angst

Das bekannteste Modell aus Csikszentmihalyis Arbeit ist das Diagramm des "Flow-Kanals". Auf der einen Achse liegt die Schwierigkeit der Aufgabe, auf der anderen Ihr Können. Ist die Aufgabe zu leicht für Ihre Fähigkeiten, langweilen Sie sich. Ist sie zu schwer, werden Sie ängstlich. Flow entsteht in einem schmalen Band dazwischen, wo beide Größen hoch sind und im Gleichgewicht stehen.

Daraus folgt Praktisches. Wenn Sie sich bei der Arbeit seit Langem langweilen, sind Sie ihrer Schwierigkeit vermutlich entwachsen. Sie brauchen größere Anforderungen: komplexere Projekte, neue Kompetenzen, mehr Verantwortung. Wenn Sie dauerhaft unter Druck stehen und das Gefühl haben, nicht mitzukommen, übersteigen die Anforderungen Ihr aktuelles Können. Dann brauchen Sie entweder Entwicklung oder ein besseres Aufgabenmanagement.

Interessant ist, dass beide Achsen relativ hoch liegen müssen. Fernsehen ist leicht und stressarm, löst aber keinen Flow aus. Geringe Anforderung plus geringes Können ergibt Apathie, nicht Flow.

Flow in unterschiedlichen Arbeitsformen

Die Vorstellung, Flow sei vor allem etwas für Künstler und Sportlerinnen, ist falsch. Richtig ist allerdings, dass verschiedene Berufe unterschiedlich weit vom Flow entfernt sind. Und dass die Wege dorthin sich unterscheiden.

Kreative Arbeit

Designerinnen, Autoren, Musikerinnen und andere kreativ Tätige haben eine natürliche Nähe zum Flow, weil ihre Arbeit die meisten Bedingungen erfüllt: ein klares Ziel (das Stück fertigstellen, das Kapitel schreiben), sofortige Rückmeldung (Sie sehen oder hören das Ergebnis) und eine Anforderung, die mit dem Anspruch mitwächst. Der größte Feind des Flow in kreativer Arbeit ist die Phase der leeren Leinwand. Jener Moment, in dem Sie die Richtung noch nicht kennen. Die Lösung? Halten Sie etwas Angefangenes bereit. Der unfertige Absatz von gestern ist ein besserer Startpunkt als eine leere Seite.

Analytische Arbeit

Datenanalystinnen, Buchhalter, Forschende. Diese Berufe bieten Flow, wenn Sie ein konkretes Problem mit klaren Regeln lösen. Ein Buchhalter, der einer Differenz in den Büchern nachspürt, kann genauso im Flow sein wie eine Geigerin im Konzert. Schwierig wird es, wenn analytische Arbeit zersplittert: zwanzig kleine Aufgaben pro Tag, keine davon groß genug, um darin zu versinken.

Körperliche Arbeit

Handwerkerinnen, Chirurgen, Köchinnen, Sportler. Körperliche Arbeit hat einen riesigen Vorteil: Die Rückmeldung ist unmittelbar und greifbar. Sie sehen, was Sie geschaffen haben. Sie fühlen das Material. Sie hören den Klang von richtig geschliffenem Holz. Csikszentmihalyi fand in seinen Untersuchungen, dass manche Fabrikarbeiter höhere Flow-Werte erreichten als ihre Vorgesetzten, gerade wegen des direkten Kontakts zum Ergebnis ihrer Arbeit.

Persönlichkeit und Flow

Manche Menschen kommen leichter in den Flow als andere. Csikszentmihalyi sprach von der "autotelischen Persönlichkeit", also von Menschen mit einer angeborenen Neigung, Freude an der Tätigkeit selbst zu finden und nicht nur an ihren Ergebnissen. Diese Menschen machen selbst aus einer Routineaufgabe eine Herausforderung. Ein Kellner, der das Tragen von Tellern in Choreografie verwandelt. Eine Kassiererin, die gegen ihre eigene Bestzeit antritt.

Eine Studie aus dem Jahr 2012 (Ullen et al.) verband die autotelische Persönlichkeit mit bestimmten Merkmalen des Big-Five-Modells. Menschen mit hoher Offenheit für Erfahrungen und hoher Gewissenhaftigkeit berichteten von häufigeren und tieferen Flow-Erlebnissen. Offenheit bringt Neugier und die Bereitschaft, sich Neuem zu stellen. Gewissenhaftigkeit bringt die Disziplin, lange genug an einer Aufgabe zu bleiben, damit Flow überhaupt entstehen kann.

Auch niedriger Neurotizismus hilft. Ängstliche Menschen kreisen eher um das, was schiefgehen könnte, und das stört die Konzentration, die Flow verlangt. Hoher Neurotizismus schließt Flow jedoch nicht aus. Er bedeutet nur, dass Sie bewusster für die Beseitigung von Störungen und für eine sichere Umgebung sorgen müssen.

Was Flow zuverlässig zerstört

Zu wissen, was Flow zerstört, ist womöglich noch wichtiger als zu wissen, wie man ihn erreicht. Denn die meisten modernen Arbeitsumgebungen wirken, als hätte jemand sie absichtlich flowfeindlich gebaut.

Multitasking

Gloria Mark von der University of California fand heraus, dass Büroarbeitende im Schnitt alle 3 Minuten und 5 Sekunden unterbrochen werden oder den Kontext wechseln. Und dass es durchschnittlich 23 Minuten dauert, zur ursprünglichen Aufgabe zurückzufinden. Flow braucht typischerweise 15 bis 20 Minuten ungestörter Arbeit, bevor er überhaupt einsetzt. Wenn Sie alle drei Minuten unterbrochen werden, erreichen Sie ihn nie.

Multitasking ist ohnehin eine Illusion. Ihr Gehirn arbeitet nicht an zwei Dingen gleichzeitig. Es schaltet zwischen ihnen um. Und jeder Wechsel kostet Energie, Zeit und einen Rest Konzentration, den Sie nicht zurückbekommen.

Benachrichtigungen

Eine Studie aus dem Jahr 2015 (Stothart, Mitchum und Yehnert) zeigte, dass allein das Wissen um eine eingegangene Nachricht die Leistung in einer kognitiven Aufgabe etwa so stark senkt wie das tatsächliche Reagieren darauf. Sie müssen das Handy gar nicht in die Hand nehmen. Es genügt, dass der Bildschirm aufleuchtet. Ihr Gehirn registriert einen offenen Faden und reserviert einen Teil seiner Kapazität für die Frage, was in dieser Nachricht steht.

Großraumbüros

Der Harvard Business Review veröffentlichte 2018 eine Studie (Bernstein und Turban), nach der der Umstieg auf Großraumbüros die direkte Kommunikation von Angesicht zu Angesicht um 70% verringerte und die E-Mail-Kommunikation um 50% erhöhte. Die Menschen setzten Kopfhörer auf und schrieben sich Nachrichten, weil sie wenigstens die Illusion von Privatsphäre brauchten. Großraumbüros liefern das Schlechteste aus beiden Welten: visuelle Störung durch Kolleginnen und Kollegen ohne echte Zusammenarbeit.

Wenn Sie im Großraumbüro arbeiten und Flow erleben wollen, müssen Sie bewusst dafür sorgen. Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, eine Sichtbarriere (und sei es nur ein abgewinkelter Bildschirm) und ein klares Signal an das Team, dass Sie gerade nicht ansprechbar sind.

So kommen Sie in den Flow: praktische Strategien

Flow lässt sich nicht erzwingen. Aber Sie können ihm Raum schaffen. Fünf Ansätze, die durch Forschung gestützt sind.

Blöcke für vertiefte Arbeit

Cal Newport, Autor von Deep Work, empfiehlt, im Kalender Fenster von 90 bis 120 Minuten zu blocken, in denen Sie nichts anderes tun als eine Sache. Keine E-Mails, keine Termine, kein Telefon. Der Vormittag eignet sich besonders, weil der präfrontale Kortex dann am frischesten ist, aber das hängt von Ihrem Chronotyp ab.

Der Kniff besteht darin, diese Blöcke im Kalender genauso unverrückbar zu behandeln wie einen Kundentermin. Sobald Sie sie als "freie Zeit, die man füllen kann" betrachten, sind sie verloren.

Störungen im Voraus ausschalten

Setzen Sie nicht auf Willenskraft in dem Moment, in dem etwas Sie unterbricht. Nehmen Sie die Möglichkeit der Unterbrechung weg, bevor Sie beginnen. Handy im Flugmodus. Chat geschlossen, nicht nur minimiert. Mailprogramm beendet. Wenn Sie am Rechner arbeiten, gibt es Programme, die ausgewählte Websites für eine festgelegte Zeit sperren.

Klingt extrem? Gloria Mark fand heraus, dass Menschen, denen fünf Tage lang der E-Mail-Zugang abgeschaltet wurde, weniger Stress (gemessen an der Herzratenvariabilität) und höhere Konzentration zeigten. Fünf Tage sind unrealistisch. Aber zwei Stunden am Tag? Das schafft fast jeder.

Ein Ritual zum Aufwärmen

Ihr Gehirn braucht ein Signal, dass es in den Modus vertiefter Arbeit wechselt. Das kann alles sein: einen bestimmten Tee aufbrühen, bestimmte Kopfhörer aufsetzen, eine bestimmte Playlist starten, die Tür schließen. Das Ritual wirkt als Anker, der dem Gehirn sagt: Jetzt wird konzentriert gearbeitet. Mit der Zeit festigt sich diese Verknüpfung, und der Übergang in den Flow beschleunigt sich.

Mason Currey hat in Daily Rituals (2013) die Arbeitsrituale hunderter kreativer Menschen dokumentiert. Beethoven zählte genau 60 Kaffeebohnen pro Tasse. Hemingway schrieb im Stehen. Murakami steht um vier Uhr morgens auf und läuft. Es kommt nicht darauf an, was genau Sie tun. Es kommt darauf an, dass Sie es jedes Mal gleich tun.

Die Schwierigkeit kalibrieren

Ist eine Aufgabe zu groß, zerlegen Sie sie in kleinere Teile, von denen jeder machbar, aber nicht trivial ist. Ist sie zu leicht, bauen Sie Beschränkungen ein: ein Zeitlimit, einen höheren Qualitätsanspruch, einen neuen Ansatz. Eine Schachspielerin gegen einen viel schwächeren Gegner erreicht keinen Flow. Sie könnte sich aber ein Handicap geben oder blind spielen.

Dort anfangen, wo Sie gestern aufgehört haben

Hemingway hatte eine Regel: nie ein Kapitel ganz zu Ende schreiben. Er hörte immer an einer Stelle auf, an der er wusste, was als Nächstes kommt. Am folgenden Tag hatte er einen klaren Einstieg und brauchte keine "Inspiration", um loszulegen. Dieses Prinzip funktioniert auch außerhalb des Schreibens. Bevor Sie ein Projekt am Abend schließen, notieren Sie einen Satz darüber, was der nächste Schritt ist. Der Flow von morgen wird es Ihnen danken.

Flow im Team

Flow ist nicht nur ein individuelles Phänomen. Keith Sawyer, Psychologe an der University of North Carolina, untersuchte Flow in Jazzbands, Improvisationstheatern und Operationsteams. Er fand heraus, dass es Gruppenflow gibt und dass er eigenen Regeln folgt.

Gruppenflow entsteht, wenn ein Team ein klares gemeinsames Ziel teilt, jedes Mitglied genau weiß, was die anderen von ihm brauchen, und die Verständigung so flüssig läuft, dass sie keine bewusste Anstrengung kostet. Eine Jazzband, die seit Jahren zusammenspielt, verständigt sich mit einem Blick. Ein Operationsteam reicht Instrumente, ohne dass ein Wort fällt.

Was verlangt Gruppenflow zusätzlich zum individuellen Flow? Vertrauen. Ein Teammitglied muss wissen, dass die Kollegin es nicht mit einer überflüssigen Frage stoppt, seine Entscheidung nicht im falschen Moment infrage stellt und ihren Teil zuverlässig erledigt. Sawyer stellte fest, dass Gruppenflow am häufigsten an jenem Mitglied scheitert, das ständig nachfragt oder für jeden Schritt eine Freigabe braucht.

Wenn Ihr Team aus Menschen mit unterschiedlichen Arbeitsstilen besteht, kommt es darauf an, zu respektieren, dass jeder andere Bedingungen braucht. Die eine erreicht Flow in einer stillen Ecke mit Kopfhörern. Der andere braucht die Energie einer gemeinsamen Ideenrunde. Gruppenflow heißt nicht, dass alle gleich arbeiten. Er heißt, dass alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten, jeder auf seine Weise.

Die Schattenseite des Flow

Über Flow wird fast immer positiv gesprochen. Csikszentmihalyi selbst warnte jedoch vor seiner dunkleren Seite.

Erstens macht Flow süchtig. Genauer: Das Gehirn gewöhnt sich daran und beginnt, ihn zu verlangen. Extremsportlerinnen, die für das Flow-Erlebnis am Limit ihr Leben riskieren, kennen das gut. Es gilt aber auch für weniger dramatische Fälle. Ein Programmierer, der 14 Stunden täglich arbeitet, "weil es ihm Spaß macht", und nicht bemerkt, wie seine Beziehung zerbricht. Eine Künstlerin, die Gesundheit, Essen und Schlaf ignoriert, weil sie "in der Zone" ist. Flow kann eine Flucht sein wie Zigaretten oder Alkohol. Er sieht nur produktiver aus.

Zweitens unterscheidet Flow nicht zwischen ethisch guten und schlechten Tätigkeiten. Ein Einbrecher, der einen Coup plant, kann genauso im Flow sein wie eine Chirurgin, die ein Leben rettet. Ein Hacker beim Eindringen in ein System, eine Spielerin am Automaten, ein Betrüger beim Aushecken seiner Masche. Csikszentmihalyi hat dieses Problem nicht übergangen und betont, dass Flow ein mächtiges Werkzeug ist, aber kein moralischer Kompass.

Drittens kann die Jagd nach Flow paradoxerweise zu Frustration führen. Wenn Sie einmal wissen, wie Flow schmeckt, wirken Tage ohne ihn grau und Arbeit ohne ihn schal. Das ist eine Falle: Nicht jede Arbeit kann Flow sein. Verwaltung, E-Mails, Routinebesprechungen gehören zu den meisten Jobs dazu. Der Versuch, wirklich alles in Flow zu verwandeln, ist unrealistisch und zehrend.

Ein gesunder Zugang? Behandeln Sie Flow als Zugabe, nicht als Normalzustand. Schaffen Sie die Bedingungen dafür. Genießen Sie ihn, wenn er kommt. Geraten Sie aber nicht in Panik, wenn ein ganzer Tag ohne ihn vergeht. Auch Tage ohne Flow haben ihren Wert. Manchmal beantworten Sie eben E-Mails, führen ein paar Telefonate und gehen pünktlich nach Hause.

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