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Beziehungen und Kommunikation

Eule und Lerche in einer Beziehung: so klappt es

Der eine lebt um 22 Uhr auf, die andere um 6 Uhr. Wie Paare mit verschiedenen Chronotypen gemeinsame Fenster finden, statt sich anzugleichen.

Um 22:10 setzt sich Lena aufs Sofa und will endlich den Tag durchgehen. Jonas antwortet immer langsamer, nach dem zweiten Satz fallen ihm die Augen zu, den dritten hört er nicht mehr. Am Samstag steht er um halb acht mit einem Kaffee in der Küche, frisch und mit einem Plan für den ganzen Tag, während Lena ihn vom Bett aus aufrichtig hasst.

Lena hört aus Jonas' Einschlafen "du interessierst mich nicht". Jonas hört aus Lenas Laune "du suchst dir absichtlich die schlechteste Zeit aus". Beides stimmt nicht. Jeder von beiden lebt in einer anderen inneren Zeit, die er sich nicht ausgesucht hat, und genau in dieser Differenz steckt der größte Teil ihrer Abendkonflikte.

Ein anderer Rhythmus ist keine Aussage über die Beziehung

Der Chronotyp, also Ihre natürliche Neigung zu frühen oder späten Stunden, entsteht weit unterhalb der Ebene von Entscheidungen. Gesteuert wird er von einer inneren Uhr im Gehirn, deren eigene Periode nahe bei vierundzwanzig Stunden liegt und die sich jeden Tag am Licht nachjustiert. Mit ihr verschieben sich Körpertemperatur, Aufmerksamkeit und der Zeitpunkt, an dem der Körper Melatonin ausschüttet, das Hormon des Nachtmodus. Bei dem einen läuft diese ganze Abfolge zwei bis drei Stunden früher ab als bei der Person, mit der er sich die Wohnung teilt.

Wie viel davon angeboren ist, zeigen Familien- und Zwillingsstudien: Ein erheblicher Teil der Unterschiede zwischen Menschen ist erblich, den Rest justieren Alter, die Menge an Tageslicht und die Lebenssituation. Der Chronobiologe Till Roenneberg beschreibt seit Langem, dass sich der Chronotyp zusätzlich über die Jahre verschiebt. In der Pubertät wandert er zu späteren Stunden, ab dem Erwachsenenalter kehrt er langsam zurück. Die meisten Menschen liegen dabei irgendwo in der Mitte, im Bereich der Taube; eine ausgeprägte Eule und eine ausgeprägte Lerche sind zwei Enden derselben Skala, nicht zwei verschiedene Menschenarten.

Für eine Beziehung folgt daraus etwas Unbequemes. Verhalten, das wie eine Haltung aussieht ("er will nicht mit mir reden", "sie kriegt sich morgens nicht zusammen"), ist zu einem großen Teil ein biologischer Stundenplan. Jonas signalisiert um zehn Uhr abends kein Desinteresse, ihm sind nur Körpertemperatur und Aufmerksamkeit abgesackt. Lena ist um sieben Uhr morgens nicht feindselig, ihr Körper hat die Nacht nur noch nicht abgepfiffen.

Eine Folge verdient einen eigenen Namen. Die Arbeitswoche ist eher für Frühaufsteher gebaut, also steht die Eule fünf Tage lang früher auf, als ihr Körper es will, und legt jeden Tag ein Stück Schlafschuld obendrauf. Am Wochenende zahlt sie sie mit längerem Schlaf zurück, was von außen nach Faulheit aussieht und in Wahrheit ein Kontenausgleich ist. Roenneberg nennt diese wiederkehrende Verschiebung zwischen Arbeits- und Freizeitrhythmus sozialen Jetlag. Deshalb ist der Samstagmorgen in Paaren mit unterschiedlichem Chronotyp oft der schlechteste Moment der Woche: Die eine holt sich zurück, was ihr fünf Tage genommen haben, der andere hat das Gefühl, einen halben gemeinsamen Tag verloren zu haben.

Den größten Schaden richten dabei Etiketten an. "Faultier" und "Rentner" geben sich als Familienhumor aus, aber nach ein paar Jahren sind sie eine feste Beschreibung des Partners, der man nur noch zustimmen oder sich dagegen wehren kann. Ein Unterschied im Rhythmus ist lösbar. Die Überzeugung, der andere sei faul oder mürrisch, ist es nicht, denn sie spricht nicht mehr über Uhrzeiten, sondern über Charakter.

Wo der Unterschied zuerst wehtut

Verschiedene innere Uhren tun nicht den ganzen Tag weh. Sie tun an einigen wenigen Stellen weh, und immer an denselben. Sobald ein Paar sie benennt, sind sie kein Beweis mehr dafür, dass es miteinander nicht funktioniert, sondern Punkte, die sich planen lassen.

SituationEuleLercheWas meistens hilft
Abends nach zehnEnergie und Redelust sind gerade angesprungenDie Aufmerksamkeit läuft auf ReserveErnste Themen vor acht legen
SamstagmorgenHolt die Schlafschuld der Woche nachIst seit sechs beschäftigt und wartet auf GesellschaftLeiser Start ohne Wecker, Treffen beim späten Frühstück
Bett und NäheKommt, wenn der andere schon schläftHat morgens Lust, wenn die Eule nicht funktioniertWochenendnachmittag statt Mitternacht
Morgendienst mit KindernLäuft auf Autopilot und ist gereiztSchafft Frühstück, Brotdosen und ZöpfeMorgen übernimmt die Lerche, den Abend die Eule
UrlaubMöchte Stadt bei Nacht und späte AbendessenSteht zum Sonnenaufgang auf und schläft um zehn einTag aufteilen, mittags und nachmittags zusammen sein

Dass es dabei nicht um eine Sammlung kleiner Unbequemlichkeiten geht, deuten auch ältere Paarstudien an. Jeffry Larson und seine Mitarbeiter veröffentlichten 1991 eine Arbeit über Ehepaare mit übereinstimmendem und mit unterschiedlichem Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Paare, die sich zeitlich verpassten, berichteten von mehr Konflikten. Gemeinsame Aktivitäten und ernsthafte Gespräche wurden weniger, und Sex hatten sie seltener als die abgestimmten Paare.

Diese Studie wird allerdings oft wie ein Urteil zitiert, und das ist der Fehler. Interessanter als der Unterschied selbst ist, worauf sich die Kennzahlen bezogen: nicht auf die Uhrzeit des Zubettgehens, sondern darauf, was das Paar im wachen Zustand miteinander geschafft hat. Anders gesagt: Den Paaren schadete nicht, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten einschliefen. Ihnen schadete, dass sie sich tagsüber nie in einem Zustand trafen, in dem beide zu einem Gespräch fähig waren.

Gemeinsame Fenster statt gemeinsamem Rhythmus

Daraus folgt ein anderes Ziel als das, das Paare sich üblicherweise setzen. Sie müssen sich nicht angleichen. Sie brauchen zwei bis drei Fenster in einer normalen Woche, in denen beide halbwegs bei Kräften sind, und müssen dort unterbringen, woran Ihnen wirklich liegt.

Bei einem typischen Paar aus Eule und Lerche liegt das erste Fenster zwischen sechs und acht Uhr abends, also früher, als dem einen die Aufmerksamkeit wegbricht, und später, als der andere von der Arbeit kommt. Das zweite Fenster liegt samstags gegen halb elf am Vormittag, wenn die Lerche ihre erste Energieladung hinter sich hat und die Eule endlich auf der Welt ist. Ein drittes lässt sich am Sonntagnachmittag herstellen. Die genauen Stunden müssen Sie selbst messen, denn selbst zwei Eulen können anderthalb Stunden auseinanderliegen.

Das Messen ist einfacher, als es klingt. Notieren Sie beide eine Woche lang unabhängig voneinander drei Tageszeiten, zu denen Ihr Kopf am besten lief, und eine, zu der Sie zu nichts zu gebrauchen waren. Am Sonntag legen Sie die Zettel nebeneinander. Die Schnittmenge der guten Zeiten ist Ihr Fenster, und diese Überlappung fällt kleiner aus, als Paare erwarten, meist um die zwei bis drei Stunden am Tag.

Ins Fenster gehören Gespräche über Geld, Planung, Verabredungen und Sex. Nicht hinein gehört Logistik der Sorte "wer holt den Kleinen am Donnerstag ab", denn die frisst auch noch das Wenige, das Sie haben. Und vor allem: Der Rest des Tages bleibt unterschiedlich, und niemand entschuldigt sich dafür. Die Eule muss nicht büßen, dass sie um sieben Uhr morgens zu nichts taugt. Die Lerche hat keinen Grund, sich zu schämen, dass sie um Viertel vor zehn abends keine komplizierte Debatte mehr packt.

So ein Fenster werden Sie aktiver verteidigen müssen, als Sie erwarten. Es fressen die Arbeit, die Kinder, die Serie und die kleine Aufräumarbeit, die gerade ruft. Bei Eltern kleiner Kinder bleiben oft zwanzig Minuten zwischen dem Einschlafen des Kindes und dem Moment, in dem der Lerche die Batterien ausgehen, und die lassen sich bequem am Handy verpulvern. Es hilft, dem Fenster einen Namen und einen Platz in der Woche zu geben, etwa "dienstags und donnerstags nach dem Abendessen". Mit Romantik hat das nichts zu tun, es ist eher Buchhaltung: Was im Kalender keine Zeit hat, findet im Paarbetrieb nicht statt.

Getrennt einschlafen ist keine Krise

Hier liegt das letzte Tabu, das Paare ungern anfassen. Gemeinsames Einschlafen gilt als Beweis dafür, dass die Beziehung in Ordnung ist, also wird daran auch dann festgehalten, wenn es einem der beiden anderthalb Stunden Schlaf pro Nacht kostet. Die Eule liegt im Dunkeln und wartet, bis die Müdigkeit kommt. Oder die Lerche wird um eins geweckt, weil die Partnerin ins Bett kommt, und schaut danach nur noch an die Decke.

Wie oft haben Sie im letzten Monat aus Rücksicht wach in einem Bett gelegen, in dem Sie noch gar nicht einschlafen konnten? Wenn die Antwort "fast immer" lautet, zahlen Sie nicht für die Beziehung, sondern für ein Ritual. Nützlich ist, zwei Dinge zu trennen, die miteinander verschwimmen: gemeinsam einschlafen und gemeinsam die Nacht verbringen. Das Ritual lässt sich erhalten, ohne dass beide dieselben acht Stunden im Bett liegen.

Praktisch heißt das ein paar Kleinigkeiten. Die Eule geht für fünfzehn Minuten mit ins Bett, die beiden reden im Dunkeln, und wenn die Lerche eingeschlafen ist, steht die Eule leise auf und macht ihren Abend fertig. Die Lerche verlässt morgens umgekehrt das Zimmer, ohne Licht zu machen und ohne die Jalousien hochzuziehen. Manchen passen zwei getrennte Decken, anderen getrennte Schlafzimmer unter der Woche und gemeinsame Wochenendmorgen. Nichts davon ist ein Zeichen für das Ende einer Beziehung, eher eine Erleichterung, die sich viele Paare erst nach zehn Jahren schlechten Schlafs erlauben.

Rechnen Sie den Unterschied einmal um. Eine Stunde Schlaf mehr pro Nacht sind im Monat dreißig Stunden, also fast vier Arbeitstage Erholung. Kaum ein gemeinsames Ritual ist so viel wert, zumal es sich in einer Zehn-Minuten-Version erhalten lässt.

Was sich verschieben lässt und was nicht

Eine Absprache vermag mehr, als es scheint, und weniger, als Paare gern hätten. Realistisch ist eine Verschiebung um dreißig bis sechzig Minuten, wenn Sie sie mit Licht direkt nach dem Aufwachen, einer festen Aufstehzeit auch am Wochenende und gedimmten Bildschirmen am späten Abend unterstützen. Eine Eule dauerhaft in eine Lerche umzupolen, ist nicht realistisch. Wer es versucht hat, landet meistens dabei, früh aufzustehen und trotzdem genauso spät einzuschlafen, und legt sich zum Rhythmusunterschied noch chronischen Schlafmangel zu.

Zur Planung gehört auch eine zweite Achse, die oft vergessen wird. Neben der Frage, wann Ihre besten Stunden liegen, steht die Frage, wie sehr Sie eine Verschiebung aus der Bahn wirft. Manche haben einen festen Rhythmus, und ein einziger später Abend zerlegt ihnen die zwei folgenden Tage. Andere haben einen flexiblen Rhythmus und passen sich ohne größeren Schaden an. Wer sich also anpasst, entscheidet nicht daran, wer die Eule ist, sondern daran, wer es verträgt; wie diese Skala genau funktioniert und was eine Bewegung auf ihr bedeutet, nimmt ein eigener Text zum Chronotyp auseinander.

Daraus ergibt sich auch eine gerechtere Aufteilung des Haushalts als die, die von allein entsteht. Die Frühschicht übernimmt, wem der Morgen liegt: Kinder wecken, Frühstück, der Weg in die Kita, die ersten Mails. Was einer Lerche morgens am besten gelingt und wo umgekehrt ihre Schwachstelle liegt, beschreibt der Text über Frühaufsteher. Die Abendschicht gehört dann der Eule, und sie ist weder Strafe noch abgehakte Pflicht: ins Bett bringen, Geschirr, gepackte Rucksäcke, Wäsche, all die Erledigungen, für die tagsüber keine Zeit war. Warum einer Eule abends sogar das gelingt, was sie morgens nicht schaffen würde, erklärt der Text über Nachteulen.

Die Absprache selbst führen Sie am besten im Fenster, nicht um eins nachts oder um sechs Uhr früh, wenn einer von beiden im Vorteil ist und der andere kaum die Augen offen hält. Konkret schlägt großzügig: statt "ich versuche, früher schlafen zu gehen" eher "unter der Woche mache ich spätestens um halb zwölf das Licht aus, und samstags wecke ich dich vor zehn nicht". Absprachen vom späten Abend erinnert am nächsten Tag ohnehin niemand, was dann zu Unrecht als Unwillen gelesen wird. Nebenbei ist der Rhythmusunterschied nicht nur eine Steuer, er hat auch einen Vorteil, den Paare mit gleichem Chronotyp nicht haben: Im Haushalt ist fast immer jemand einsatzfähig. Das kranke Kind nach Mitternacht und der Installateur um sieben Uhr früh fallen jedes Mal dem zu, dem diese Stunde liegt.

Eine Bedingung hat das. Beide Schichten müssen als Arbeit zählen. Sobald der Morgendienst als Selbstverständlichkeit gilt, weil "er sowieso aufsteht", und der Abenddienst als Hobby, weil "sie sowieso nicht schläft", entsteht aus der Absprache eine leise Ungerechtigkeit, die binnen eines halben Jahres an anderer Stelle hochkommt, meist im Streit über etwas ganz anderes.

Wann waren Sie beide zuletzt gleichzeitig wach?

Eine unangenehme Frage: Wann haben Sie mit Ihrem Partner zuletzt dreißig Minuten verbracht, in denen Sie beide wirklich wach waren, ohne Eile und ohne Telefon? Wenn Sie länger als ein paar Sekunden überlegen müssen, liegt das Problem nicht an der Uhrzeit des Zubettgehens. Es liegt daran, dass Ihre gemeinsame wache Zeit auf die Übergabe von Informationen in der Tür geschrumpft ist.

Bevor Sie mit der Planung gemeinsamer Fenster anfangen, lohnt es sich zu wissen, wo Sie beide auf der Achse überhaupt stehen. Einen kurzen Chronotyp-Test macht jeder in ein paar Minuten für sich, danach ist es sinnvoll, die Ergebnisse nebeneinanderzulegen. Es geht um eine grobe Selbsteinschätzung, nicht um eine Diagnose, und die Überraschungen sind meist zwei: Der Unterschied in der Morgen- und Abendneigung fällt oft kleiner aus, als es die Abendscharmützel vermuten ließen, während der Unterschied in der Festigkeit des Rhythmus größer ausfällt und erklärt, warum einen von Ihnen jede Programmänderung stört.

Lena und Jonas haben am Ende nichts Großes getan. Das Durchgehen des Tages ist von 22:10 auf die Zeit gewandert, in der sie zusammen Abendessen kochen, und samstags nimmt Jonas die Kinder für die ersten zwei Stunden mit nach draußen, damit Lena die Woche nachschlafen kann. Um zehn ist er zurück, sie ist wach, und er hat noch längst nicht den ganzen Tag hinter sich.

Fangen Sie mit diesem Wochennotizbuch der drei besten Zeiten an. Wenn beide Listen nebeneinanderliegen, sehen Sie genau, wie viele gemeinsame Stunden der Tag Ihnen anbietet. Und falls sich die Listen an keiner einzigen Stelle überschneiden, haben Sie die Antwort auf eine andere Frage bekommen als auf die, die Sie ursprünglich gestellt haben.

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