Ohne Registrierung

Finden Sie in 5 Minuten heraus, welcher Persönlichkeitstyp Sie sind und welcher Beruf zu Ihnen passt

Finden Sie in 5 Minuten heraus, welcher Persönlichkeitstyp Sie sind.

In wenigen Minuten erledigt · 24 Tests an einem Ort

In wenigen Minuten erledigt · 24 Tests an einem Ort

Startseite / Ratgeber / Persönlichkeit und Selbsterkenntnis / Lob annehmen, ohne es sofort kleinzureden
Persönlichkeit und Selbsterkenntnis

Lob annehmen, ohne es sofort kleinzureden

"War doch nichts Besonderes." Warum wir Lob im selben Atemzug verkleinern, wo Bescheidenheit endet und welche Sätze wirklich weiterhelfen.

Nina gibt eine Analyse ab, an der sie drei Wochen gesessen hat, und hört in der Besprechung von ihrer Chefin, das sei die beste Vorlage, die ihr seit einem Jahr untergekommen sei. Innerhalb von fünf Sekunden hat Nina drei Sätze auf dem Konto: dass daran nichts Schwieriges war, dass ihr Stefan aus dem Controlling stark geholfen hat und dass ohnehin noch ein paar Lücken drin geblieben sind.

Die Chefin nickt und geht zum nächsten Punkt. Nina hat das Gefühl, sich anständig verhalten zu haben. Von dem Lob, für das jemand im Raum das Wort ergriffen hat, ist dabei weder für sie noch für die Chefin etwas Brauchbares übrig geblieben.

Der Zusatz hinter dem Lob ist eine der leisesten Gewohnheiten, die ein Mensch haben kann. Er hält niemanden auf, er stört niemanden und im Einzelfall kostet er nichts. Die Rechnung kommt erst nach Jahren, in dem Moment, in dem Sie irgendwo laut über sich sprechen sollen und merken, dass Sie nichts haben, woraus Sie schöpfen könnten.

Woher der Zusatz kommt

Der erste Grund ist kulturell. Im deutschsprachigen Raum hat das Understatement einen ausgesprochen guten Ruf, und für das Gegenteil gibt es sogar ein Sprichwort: Eigenlob stinkt. Wer sich kleiner macht, als er ist, gilt als seriös, wer sich größer macht, als Blender. Tiefstapeln ist damit die sozial sichere Variante, und sie hält eine Gruppe tatsächlich zusammen, weil niemand mehr beansprucht, als er geliefert hat. Gelernt wird sie allerdings als Reflex und nicht als Werkzeug, und ein Reflex unterscheidet die Situationen nicht.

Der zweite Grund ist eine recht praktische Angst. Lob ist zugleich eine Erwartung: Wenn Sie es annehmen, bestätigen Sie, dass dies Ihr normales Niveau ist, und beim nächsten Mal wird damit gerechnet. Der Zusatz drückt die Latte wieder nach unten, bevor jemand sie anheben kann. Stefan, der nach einer gelungenen Präsentation einwirft, er habe vor allem Glück mit dem Publikum gehabt, kauft sich damit das Recht, beim nächsten Mal zu enttäuschen.

Und drittens ist da schlichtes Unbehagen. Lob stellt Sie für ein paar Sekunden in den Mittelpunkt, und die Stille danach hält man schlecht aus. Der Zusatz füllt diese Stille, schiebt die Aufmerksamkeit woandershin und erleichtert alle. Genau deshalb kommt er schnell und ohne Nachdenken.

Dass es dabei eher um eine Vorstellung für ein Publikum als um echte Überzeugung geht, legte eine Studienreihe von Mark Leary und seinen Kollegen aus dem Jahr 2000 nahe. Menschen mit starken Selbstzweifeln bewerteten sich deutlich bescheidener, wenn ihre Antwort von jemand anderem gesehen werden sollte. Füllten sie dasselbe anonym aus, verschwand der Unterschied zum großen Teil. Bescheidenheit war also nicht das, was sie über sich dachten, sondern das, was sie laut sagten.

Erinnern Sie sich an das letzte Lob, das Sie bekommen haben? Versuchen Sie, Ihre Antwort zu rekonstruieren, und vor allem, ob Sie ihr in dem Moment selbst geglaubt haben.

Bescheidenheit lässt die Tatsache stehen, Kleinreden löscht sie

Den Unterschied zwischen Bescheidenheit und Kleinreden erkennen Sie nicht an der Höflichkeit, denn höflich klingt beides. Sie erkennen ihn daran, was mit der Tatsache passiert. Bescheidenheit lässt die Tatsache stehen und ergänzt nur die Umstände: Es hat geklappt, und ich hatte ein gutes Team dabei. Kleinreden entfernt die Tatsache, denn nach einem Satz, das hätte jeder hinbekommen, ist nichts mehr da, was man würdigen könnte.

Die ganze Prüfung lässt sich auf eine Frage verengen. Glauben Sie, was Sie sagen? Wenn Sie der Chefin antworten, das sei nichts gewesen, und dabei von drei Fassungen, zwei durchgearbeiteten Abenden und einem Telefonat wissen, das die Sache gerettet hat, dann ist das keine Bescheidenheit. Es ist eine ungenaue Information, die Sie selbst über sich verbreiten.

Die zweite Prüfung geht noch schneller. Würden Sie dasselbe über einen Kollegen sagen, der genau dieselbe Arbeit geleistet hat? Die meisten zögern hier, weil sie bei fremder Arbeit die geleisteten Stunden als Verdienst sehen und bei der eigenen als Selbstverständlichkeit.

Bescheidenheit hört damit nicht auf, nützlich zu sein. Es gibt Situationen, in denen der Verdienst wirklich zum größeren Teil bei anderen liegt, und wer sich die Arbeit eines ganzen Teams aneignet, hält sich darin nicht lange. Der Unterschied liegt darin, ob Sie den Satz über das Team sagen, weil er der Wirklichkeit entspricht, oder weil es Ihnen unangenehm ist, einen Moment allein dazustehen. Im ersten Fall bleibt Ihr Anteil im Satz erhalten, im zweiten verschwindet er daraus.

Was der Zusatz in zehn Jahren anrichtet

Einmalig passiert gar nichts. Schaden richtet erst die Wiederholung an, denn Lob ist im Grunde die einzige äußere Informationsquelle darüber, was Sie können. Wenn Sie jedes davon auf dem Weg nach innen abschwächen, können sich die Belege nirgends ansammeln, und der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten hat nichts, womit er streiten könnte.

Für dieses Muster gibt es einen Namen. In der Aufschlüsselung dessen, was das Impostor-Syndrom ist, taucht es als eine von drei Quellen der Zweifel auf und heißt Kleinreden der Erfolge. Die zweite Quelle ist das Hochstapler-Gefühl, also die stille Annahme, Ihr Platz gehöre jemandem, der mehr kann. Die dritte sind Glück und Umstände, also die Neigung, Ergebnisse dem Zeitpunkt, dem Zufall und den Leuten ringsum zuzuschreiben; darüber gibt es einen eigenen Text dazu, warum Erfolg immer wieder wie Glück aussieht.

Zum Kleinreden gehört noch ein unauffälliges Bauteil: die bewegliche Latte. Ein erreichtes Ziel kommt nie zur Verbuchung, weil sich der Maßstab unmittelbar danach verschiebt und das Ziel vom Vorjahr in diesem Jahr der Ausgangszustand ist. Daraus entsteht ein Mensch, der gute Arbeit leistet und dabei dauerhaft das Gefühl hat, es sei immer noch nicht genug.

Beschrieben haben das Phänomen die Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes im Jahr 1978 bei Menschen mit unstrittigen Ergebnissen, die sich trotzdem wie Betrüger fühlten. Es geht weder um eine Diagnose noch um eine Störung, sondern um ein erlerntes Denkmuster. Wie verbreitet es ist, lässt sich nicht genau sagen: Eine systematische Übersichtsarbeit von Bravata und Kollegen aus dem Jahr 2020 ging 62 Studien durch und fand Schätzungen der Häufigkeit von 9 bis 82 Prozent, je nachdem, wen und womit die Autoren gefragt hatten. Die Zahl allein sagt also wenig. Nützlicher ist zu wissen, woher die Zweifel bei Ihnen kommen; eine Orientierung dazu gibt der Hochstapler-Syndrom-Test, der ein paar Minuten dauert.

Bleibt noch die andere Seite, die beim Nachdenken über Bescheidenheit meist vergessen wird. Wer Lob wiederholt vom Tisch nimmt, bekommt irgendwann keines mehr. Böser Wille steckt nicht dahinter, nur die übliche Ökonomie der Aufmerksamkeit: jemanden zu loben, der es jedes Mal abweist, ist Zusatzarbeit ohne Wirkung. Nach ein paar Versuchen geben die Leute auf, und Sie bekommen die scheinbare Bestätigung, dass es eigentlich nichts zu loben gab.

Sätze, nach denen vom Lob etwas übrig bleibt

Die kleinstmögliche Änderung besteht aus einem Wort: danke. Und dann Stille. Was Ihnen auch als Fortsetzung einfällt, behalten Sie es für sich. In den ersten Tagen werden Sie das Gefühl haben, überheblich zu wirken; auf der Gegenseite passiert dabei überhaupt nichts, denn die hört nur eine normale Antwort auf einen normalen Satz.

Wenn die Stille nicht auszuhalten ist, lässt sie sich mit etwas füllen, das die Tatsache nicht löscht. Ein konkreter Dank für eine konkrete Sache funktioniert gut: Danke, der Teil mit den Risiken hat mich am meisten gekostet, da freut es mich, dass er sich gut liest. Ein solcher Satz gesteht die geleistete Arbeit ein und nicht eine Schwäche, und das Gespräch lässt sich von dort aus weiterführen.

Die zweite Gewohnheit betrifft die Latte. Nach einer abgeschlossenen Sache gönnen Sie sich einen Tag, an dem der Maßstab nicht verschoben werden darf, und schreiben auf, was Sie für das Ergebnis lösen mussten. Wie viele Fassungen, wie viele Stunden, was beim ersten Anlauf misslungen ist. Fertige Arbeit sieht nämlich auch für Sie selbst leicht aus, weil vom Weg dorthin im Ergebnis nichts zu sehen ist, und ein aufgeschriebener Weg ist das Einzige, was die Behauptung von der Leichtigkeit zuverlässig widerlegt.

Situation Zusatz, der das Lob löscht Satz, nach dem etwas bleibt
Die Chefin würdigt Ihre Vorlage in der Besprechung. "Das war nichts, ich habe es nur zusammengetragen." "Danke. Der Teil mit den Risiken hat die meiste Arbeit gemacht."
Ein Kunde schreibt, er sei mit dem Ergebnis zufrieden. "Sie hatten Glück, wir haben die Vorgabe zufällig getroffen." "Danke, das freut mich. Ich gebe es auch an die Kollegen weiter, die die Daten erhoben haben."
Eine Freundin sagt, Ihre Wohnung sehe großartig aus. "Ach was, du solltest mal das Schlafzimmer sehen." "Danke, das hat Arbeit gemacht und ich bin zufrieden damit."
Ihr Partner würdigt, wie Sie eine harte Woche gemeistert haben. "Ich hatte keine Wahl, das schafft jeder." "Danke, dass es dir aufgefallen ist. Die Woche hatte es wirklich in sich."
Jemand lobt Ihren Vortrag vor Fachleuten. "Zum Glück hat niemand nach dem Wesentlichen gefragt." "Danke. Ich habe mich eine ganze Woche darauf vorbereitet."
Im Mitarbeitergespräch hören Sie, dass Sie das Ziel erreicht haben. "Schon, aber nächstes Jahr wird es schwerer." "Das freut mich. Was davon war für Sie dieses Jahr am nützlichsten?"

Die rechte Spalte macht niemanden überheblich. Sie hält in allen Fällen dieselbe Information wie die mittlere, nimmt ihr nur nichts weg und gibt der Gegenseite obendrein einen Grund, das Gespräch fortzusetzen. Interessant ist zu beobachten, wie schnell das Umfeld dazulernt: Wer auf Lob eine verständliche Antwort bekommt, lobt beim nächsten Mal bereitwilliger und konkreter.

Am teuersten kommt der Zusatz in schriftlicher Form. Ein Lebenslauf, ein Profil bei LinkedIn oder eine Projektzusammenfassung für die Leitung sollen über geleistete Arbeit informieren, deshalb ist eine verkleinernde Formulierung darin keine Bescheidenheit, sondern eine fehlende Angabe. Wer schreibt, er habe an einem Projekt mitgewirkt, teilt etwas anderes mit als jemand, der schreibt, er habe es geleitet, obwohl beide dasselbe getan haben. Ein geschriebener Zusatz lässt sich zudem nicht durch den Tonfall heilen, denn der Leser auf der anderen Seite hat keinen Ton.

Diese Sätze lösen allerdings nur eine der drei Quellen der Zweifel. Wem weniger das Lob als das Gefühl zusetzt, nicht in die eigene Rolle zu gehören, braucht ein anderes Vorgehen, und die Übersicht der Techniken nach der Herkunft der Zweifel finden Sie im Text darüber, wie Sie das Impostor-Syndrom überwinden.

Wie man so lobt, dass es angenommen werden kann

Die zweite Hälfte der Sache hängt nicht vom Empfänger ab, sondern von dem, der lobt. Allgemeines Lob wird leicht abgewiesen, weil es sich nicht überprüfen lässt. Wenn Sie Stefan sagen, er sei fähig, hat er nichts, woran er sich festhalten könnte, und der Zusatz springt von selbst an. Wenn Sie ihm sagen, seine Tabelle habe in der Sitzung zwanzig Minuten Streit erspart, ist das eine Angabe, gegen die sich sehr viel schlechter argumentieren lässt.

Es hilft außerdem, nicht mit der Abweisung zu streiten. Reaktionen im Stil von doch, das war klasse drängen den anderen in die Verteidigung seiner eigenen Bescheidenheit, und das Ganze dreht sich im Kreis. Wirksamer ist, das Lob mit einem konkreten Detail einmal zu wiederholen und es dann gut sein zu lassen. Noch besser funktioniert eine Frage statt einer Behauptung: Was hast du gemacht, dass es aufgegangen ist? Die Antwort muss der Sache nach eine Beschreibung der eigenen Schritte sein.

Führungskräfte haben zudem ein Werkzeug, das Kollegen nicht haben, und das ist die Aufgabe. Wer eine anspruchsvollere Aufgabe bekommt, bekommt damit auch die Information, wie das Umfeld ihn sieht, und die wird schwerer abgewiesen als ein Satz in der Besprechung. Wie eine Rückmeldung aussieht, mit der sich wirklich arbeiten lässt, nimmt ein eigener Text über das Geben und Annehmen von Feedback auseinander.

Sieben Tage ohne Zusatz

Versuchen Sie eine Woche lang eine einzige Sache. Nach jedem Lob sagen Sie danke und sonst nichts. Wenn Ihnen der Zusatz trotzdem entwischt, notieren Sie sich im Handy, wem Sie ihn gesagt haben und worum es ging.

Nach einer Woche kommt aus diesen paar Zeilen meist ein Muster heraus, das von innen schwer zu sehen ist. Die Zusätze häufen sich nämlich nicht gleichmäßig: Sie springen bei bestimmten Menschen an, in bestimmten Räumen und bei einer bestimmten Art von Arbeit, während dieselbe Person anderswo ein Lob ohne Nachdenken annimmt und es gar nicht bemerkt. Nina aus dem Anfang zählte in einer Woche zehn davon, neun in Besprechungen und einen zu Hause.

Empfohlener Test

Probieren Sie Hochstapler-Syndrom-Test aus

Gehört Ihnen Ihr Erfolg? Gesamtwert, Bereich und die Hauptquelle der Zweifel.

Test starten

Weitere Artikel in der Kategorie Persönlichkeit und Selbsterkenntnis

Wir verwenden Cookies

Notwendige Cookies kümmern sich um Anmeldung und Zahlungen. Mit Ihrer Einwilligung messen wir zusätzlich die Zugriffe, damit wir wissen, was wir verbessern können. Datenschutzerklärung