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Psychologie und Wohlbefinden

Schwarzer Humor: was er über Intelligenz verrät

Lachen Sie über das, wovor andere zurückschrecken? Was die Forschung zu schwarzem Humor und Intelligenz fand, wozu Galgenhumor dient und wo er kippt.

Bei der Kaffeetafel nach der Beerdigung seiner Großmutter saß Jonas seiner Tante gegenüber und stellte laut fest, die Oma hätte diese belegten Brötchen so trocken kommentiert, dass die halbe Runde rot geworden wäre. Eine Tischhälfte erstarrte. Der anderen war die Erleichterung anzusehen, und Miriam lachte als Erste, um sich gleich darauf elend zu fühlen.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Reaktionen lag nicht darin, wer die Großmutter lieber gehabt hatte. Er lag darin, was wer mit dem Verlust gerade tun musste: der eine brauchte ihn noch ernst, die andere brauchte schon Luft. Ein einziger Satz verriet das über den ganzen Tisch innerhalb einer Sekunde.

Schwarzer Humor ist kein Stil, sondern ein Thema

Als schwarzer Humor gilt das Lachen über Dinge, die uns Angst machen: Tod, Krankheit, Unglück, das eigene Ende. Es geht nicht um die Art, wie Sie Witze machen, sondern um das Material, aus dem Sie den Witz bauen. Diese Unterscheidung geht fast immer durcheinander.

Humorstile beschreiben nämlich die Adresse, nicht den Stoff. Scherzen Sie mit Menschen, für sich allein, auf fremde Kosten oder auf eigene? Schwarzer Humor lässt sich in jedem dieser vier Register erzählen, freundlich wie bissig, nach außen wie nach innen. Ihnen widmet sich der Überblick über die vier Humorstile, hier genügt ein einziger Punkt: ein dunkles Thema sagt für sich genommen nichts darüber, ob ein Witz warm oder hässlich ist.

Jonas' Satz über die Brötchen zielte auf die Absurdität der Lage und ein wenig auf die Großmutter, die das selbst geschätzt hätte. Hätte er im gleichen Ton etwas über die Tante gesagt, die diese Brötchen den ganzen Vormittag vorbereitet hatte, wäre daraus scharfer Humor auf Kosten eines bestimmten Menschen geworden, und das Thema Tod hätte daran nicht das Geringste geändert. Dunkles Material und ein Angriff sind zwei verschiedene Dinge, die sich nur häufig im selben Raum begegnen.

Warum funktioniert ausgerechnet das Tabu als Treibstoff? Ein Witz braucht zwei Dinge auf einmal. Etwas, das bedroht oder eine Regel verletzt, und zugleich ein Signal, dass hier und jetzt nichts Schlimmes passiert. Je größer das Erste, desto größer die Erleichterung, wenn das Zweite eintrifft, und der Tod ist der größte Regelbruch, den wir kennen.

Daraus folgt eine unangenehme Konsequenz. Das beste Material liegt genau dort, wo das Thema am empfindlichsten ist, und zwischen "das saß" und "das war ein Fehltritt" liegen dann ein paar Worte. Wer über schwere Dinge Witze macht, arbeitet ohne Netz, auch mit den besten Absichten.

Was Willinger und sein Team fanden

2017 veröffentlichten Willinger und seine Kollegen ein Ergebnis, das seither immer wieder zitiert wird, meist ungenau. Sie legten Menschen schwarzen Humor vor und beobachteten zweierlei: wie gut sie ihn verstehen und wie sehr er sie amüsiert. Dazu kamen Intelligenztests und eine Messung der Aggressivität.

Wer den schwarzen Humor am besten verstand und ihn zugleich unterhaltsam fand, schnitt in den Intelligenztests besser ab. Und bei der Aggressivität niedriger, was der überraschende Teil ist. Sie würden eher das Gegenteil erwarten: dass an derben Witzen der Geschmack findet, wer Menschen mit mehr Kante als Rücksicht begegnet.

Es ergibt Sinn, sobald man sich ansieht, was ein solcher Witz vom Zuhörer eigentlich verlangt. Sie müssen zwei unvereinbare Lesarten eines Satzes gleichzeitig halten, bemerken, welche Regel gerade verletzt wurde, und dabei wissen, dass nichts davon wörtlich gemeint ist. Wer den Faden verliert, hört nur Grausamkeit. Wer ihn hält, hört eine Konstruktion.

Und nun die ehrliche Anmerkung. Es ist eine Korrelation, keine Ursache, und es ist eine einzige Studie. Daraus folgt weder, dass Ihr Bekannter mit den düsteren Sprüchen klüger ist als Sie, noch dass schwarzer Humor irgendjemanden klüger macht. Gemessen wurden das Verständnis und die Frage, ob der Witz jemanden amüsiert hat, nicht die Fähigkeit, ihn zu erfinden. Der weiteren Frage, ob witzige Menschen tatsächlich schneller denken, widmet sich ein eigener Text über Humor und Intelligenz.

Bemerkenswert ist auch, was bei diesen Zahlen anders herauskam, als es fast jeder erwartet hätte. Der Hang zum derben Witz verhielt sich in dieser Messung nicht wie ein Ausdruck von Feindseligkeit. Es sieht eher so aus, als müsste jemand, der mit dem Schrecken auf der Ebene der Worte spielen kann, anderswo weniger mit ihm ringen.

Galgenhumor: warum im Rettungswagen gelacht wird

Fragen Sie irgendwen vom Rettungsdienst, von der Feuerwehr oder aus der Notaufnahme, wie das Gespräch im Wagen auf der Rückfahrt von einem schweren Einsatz klingt. Meist erfahren Sie, dass dort über Dinge gelacht wird, die draußen niemand laut sagen würde. Das nennt man Galgenhumor, und der Name ist wörtlich gemeint: Er benennt das Lachen von Menschen, die etwas gegenüberstehen, gegen das sie nichts ausrichten können.

Wer als Außenstehender ein solches Gespräch mitbekommt, liest es gewöhnlich als Zynismus. Das ist ein Irrtum über den Adressaten. Der Witz zielt nicht auf den Menschen, der gerade transportiert wird, sondern auf die Lage, auf die Absurdität der Umstände und vor allem auf die eigene Ohnmacht. Er ist eine Art, sich für einen Moment ein Stück Kontrolle über etwas zurückzuholen, das sie vollständig genommen hat.

Das hat auch eine nüchterne Funktion: Die Besatzung muss in einer Stunde erneut raus. Wer jeden Einsatz vollständig und restlos durchleben würde, fährt nach einem halben Jahr gar nicht mehr. Das Lachen im geschlossenen Kreis wirkt dabei wie eine schnelle Kontrolle, dass alle noch in einem Zustand sind, in dem sich weiterarbeiten lässt. Niemand fragt "wie hältst du das aus", es fällt einfach ein Spruch, und wer einsteigt, sagt alles.

Entscheidend ist, wer die Zielscheibe ist und wer zuhört. Menschen aus helfenden Berufen kennen diesen Unterschied intuitiv, und er lässt sich auch ins zivile Leben übertragen.

Zielscheibe des Witzes Was er mit dem macht, der ihn gesagt hat Wie ihn das Umfeld liest
Die Lage, das Schicksal, die Absurdität der Umstände Verkleinert die Bedrohung auf ein Maß, mit dem sich arbeiten lässt. Erleichterung für alle, die ebenfalls darin stecken. Von außen kann es hart klingen.
Die eigene Ohnmacht und Angst Gesteht sie ein, ohne dass man sie ernst aussprechen müsste. Im Kreis gilt das als Eingeständnis, nicht als Schwäche.
Ein konkreter Mensch, den es getroffen hat Kurze Erleichterung, langer Nachgeschmack. Außerhalb des geschlossenen Kreises wirkt es wie Verachtung, und anders ist es nicht zu lesen.

Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem Galgenhumor aufhört, ein Ventil zu sein. Solange der Witz auf die Lage zielt, hält er Menschen zusammen. Sobald derjenige zur Zielscheibe wird, der darin gerade am meisten leidet, verwandelt er sich in etwas anderes, und der geschlossene Kreis merkt das meist früher als der, der den Witz gemacht hat.

Krankenhaus und Feuerwache stehen damit nicht allein. Derselbe Mechanismus läuft in einem Team, das die dritte Nacht ein abgestürztes System repariert, und ebenso zwischen den Eltern eines Kindes mit einer schweren Diagnose. Überall dort, wo der Einsatz hoch ist und sich nichts daran bewegen lässt, entsteht Humor, der von außen unpassend klingt und drinnen die Leute auf den Beinen hält.

Ventil oder Flucht

George Vaillant, der jahrzehntelang verfolgt hat, wie Menschen mit dem zurechtkommen, was ihnen im Leben widerfährt, zählt Humor zu den reifen Abwehrmechanismen. Mit Reife meint er etwas Genaues: Die unangenehme Sache bleibt Ihnen dank ihm im Blick, Sie müssen sie nicht leugnen, und niemand sonst zahlt dafür. Leugnung würde sie verstecken, ein Wutausbruch würde sie einem anderen zuschieben, ein Witz lässt sie stehen und nimmt ihr lediglich etwas Größe.

Nur kann derselbe Witz auch der Weg sein, nie bei dieser Sache anzukommen. Die Grenze dazwischen verläuft nicht am Thema und nicht an der Härte, sie verläuft am Zeitpunkt. Der Unterschied liegt zwischen "es ernst sagen und dann darüber lachen" und "darüber lachen statt es zu sagen".

Erkennen lässt sich das an einer einzigen Sache: ob es davon auch eine Version ohne Spruch gibt. Wenn Ihr Umfeld Ihre Krankheit, Ihre Scheidung oder Ihre Kündigung ausschließlich als Serie von Witzen kennt, fragt niemand, wie es Ihnen wirklich geht. Aus deren Sicht haben Sie es doch längst gesagt. Sie hören früher auf zu fragen, als Ihnen aufgeht, dass Sie es nie gesagt haben.

Versuchen Sie, ehrlich zu antworten: Wann haben Sie zuletzt über etwas Schweres laut gesprochen, ohne dass Ihnen ein einziger entlastender Spruch hineingerutscht wäre? Fällt Ihnen nichts ein, muss das nichts Dramatisches bedeuten. Es lohnt sich aber zu wissen, dass der Witz bei Ihnen die Ausgangsstellung ist und keine Wahl. Wie Humor in der Rolle der Abwehr funktioniert und wann aus der Stütze eine Falle wird, nimmt der Text über Humor als Abwehrmechanismus auseinander.

Die Grenze verläuft am Publikum, nicht am Thema

Der häufigste Rat lautet "manche Themen sind tabu" und funktioniert in der Praxis nicht. Wenn er gälte, dürfte es ganze Branchen nicht geben, in denen täglich über den Tod gescherzt wird und es niemanden stört. Derselbe Satz geht in einem Raum durch und im anderen nicht, obwohl die Worte identisch sind.

Entscheidend ist vor allem die Distanz, und zwar gleich eine doppelte. Die zeitliche: wie frisch die Wunde ist. Und die persönliche: wie nah der steht, der zuhört. Zu demselben Unglück hat jemand, der mittendrin steckt, eine andere Distanz als sein Kollege aus dem dritten Stock, auch wenn beide dasselbe meinten.

Daraus folgt eine Regel, die sich in Gesellschaft fast von selbst hält, ohne dass sie jemand ausspricht: Die Erlaubnis zu scherzen gehört dem, der dafür bezahlt. Ein Patient darf über die eigene Diagnose Dinge sagen, die von einem gesunden Besucher unerträglich klängen. Das hat nichts damit zu tun, wer witziger ist, sondern damit, wer die Folgen trägt.

Neu kompliziert wird es dadurch, dass geschlossene Kreise heute schlecht halten. Ein Satz, der in der Umkleide geblieben wäre, lässt sich fotografieren und weiterschicken, und außerhalb des ursprünglichen Publikums verliert er jeden Kontext. Ein Screenshot kann nicht zeigen, wer dort saß, wer gerade vom schwersten Einsatz zurückkam und warum alle das als Erleichterung gehört haben.

Der praktische Test dauert eine Sekunde, bevor Sie den Satz herauslassen. Wer sitzt hier, und wen betrifft das mehr als mich? Wenn Sie die Antwort nicht kennen, überlassen Sie den Witz dem, den es am meisten betrifft. Schweigen ist in einem solchen Moment kein Zeichen von Langeweile, sondern eine Einschätzung der Lage.

Wenn Sie interessiert, wohin Ihr Humor gewöhnlich zielt, ob er verbindet, Sie schützt oder sich eine Zielscheibe sucht, gibt Ihnen ein kurzer Test der Humorstile eine Orientierung. Er fragt nach alltäglichen Situationen, und sein Ergebnis nehmen Sie als Beschreibung einer Gewohnheit, mit der sich arbeiten lässt, nicht als Urteil über den Charakter.

Miriam hatte an jenem Tisch als Erste gelacht und ärgerte sich darüber den ganzen Nachmittag. Drei Monate später ertappte sie sich dabei, wie sie einer Freundin den Satz über die Brötchen erzählte, und sprach dabei zum ersten Mal länger als eine Minute am Stück über ihre Großmutter. Der Witz war nicht das, was ihr die Großmutter genommen hat. Er war das, was sie ins Gespräch zurückgebracht hat.

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